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F R A G I L

ODER DIE PARABEL VOM ANGELUS NOVUS

05/07/20-19/07/20

Ein digitales Denk- und Tanzlabor vom 5.7. bis 19.7.2020 für Jugendliche aus Forbach, St. Nazire, Saarbrücken, Saarlouis, Bad Kreuznach, Girona, Targu Jiu und Sarajevo

2020 hat uns die Corona-Pandemie dazu gezwungen umzudenken. Wir konnten das Projekt in diesem Jahr nicht in gewohnter Form durchführen. Das bedeutet, dass es kein gemeinsames Camp, wie geplant, in Nantes gab. Gerade in dieser außergewöhnlichen Situation war uns aber wichtig mit unseren Partnern in Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Spanien und Frankreich in Kontakt zu bleiben und in dieser besonderen Zeit gemeinsam an unseren Vorstellungen von einem besseren Leben für alle zu arbeiten. Deshalb haben wir uns eine andere Projektform, die das Reisen nicht notwendig macht, ausgedacht. Alle Jugendlichen blieben zuhause und wurden in ein großes länderübergreifendes, digitales Labor geschickt. So haben sie dazu beigetragen, unser nächstes Tanzprojekt 2022 in Saint-Chély-d‘Apcher, Frankreich vorzubereiten. Am Ende der 14 Tage gab es von allen Labor-Orten kurze Videostücke mit Tanzszenen, kurzen Texte und Bildern. Daraus ist ein großer Film über das digitale Projekt entstanden. Aber seht selbst...

Um was ging es in unserem diesjährigen und auch im nächsten Tanztheater-Projekt? 

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Das Foto von der aufgehenden Erde, aufgenommen von Astronauten der Apollo 8 am 24. Dezember 1968 auf ihrem Flug um den Mond, ist eines der aufregendsten Bilder der Menschheit. Zum ersten Mal sahen Menschen wie begrenzt, wie einzigartig und zerbrechlich der kleine, blaue Diamant in der Dunkelheit des Universums schwebt. Der Zauber, den dieses Bild verbreitet, hat die Menschen nicht davon abhalten können, die Erde, ihr Klima und das Leben auf ihr  zu zerstören. Es wird immer deutlicher, dass wir uns mitten in einer ökologischen Katastrophe befinden.  Dass es einen Zusammenhang zwischen Corona-Krise und ökologischer Krise gibt, wird immer deutlicher. Beide Phänomene sind Krankheitsanzeiger einer „ungesunden“ Mensch-Umwelt-Beziehung.

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Die zweite inhaltliche Dimension ist mit einer kleinen Ölfarbzeichnung von Paul Klee und dem Philosophen Walter Benjamin verbunden. Dieses Bild mit dem Titel „Angelus Novus“ wird für Benjamin zu einem eindrücklichen Denkbild. In dem Engel erkennt er den Engel der Geschichte, der mit aufgerissenen Augen und weitentfalteten Flügeln auf die Trümmer der Geschichte starrt. Er möchte stehen bleiben und der Zerstörung Einhalt gebieten. Aber ein Sturm, der aus dem Paradies weht, treibt ihn mit dem Rücken in die Zukunft. Dieser Sturm trägt den Namen Fortschritt. Der „Angelus Novus“ wird unser Nach-Denken und Auf-Tanzen beflügeln.

Eine dritte Dimension, die an den „Angelus Novus“ anknüpft, ist mit der französischen Stadt Nantes verbunden, in der das Projekt ursprünglich stattfinden sollte. Die Stadt wurde im 18. Jahrhundert durch einen florierenden Sklavenhandel  zur bedeutendsten Hafenstadt Frankreichs. Rund die Hälfte aller französischen Sklavenschiffe lief in Nantes aus, um die Menschen als Sklaven in die französischen Kolonien zu bringen.  Am Quai de la Fosse, der Anlegestelle der Sklavenschiffe und zentralem Ort des Schreckens, wurde 2012 ein Mahnmal für die Abschaffung der Sklaverei eingeweiht. Es erinnert an die Leiden tausender Menschen, die wie Nicht-Menschen behandelt wurden. Nur ein Beispiel europäischen Dominanzdenkens, das die Grundlage für die höchsteffiziente, weltweite Plünderung der Erde bildet.

Der blaue Planet, der Angelus Novus und die Kolonialisierung bilden die Koordinaten des Projektes, um der zerstörerischen Dominanzkultur des Westens historisch, ökonomisch, kulturell und psychisch auf die Spur zu kommen. 

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